Ich Trinke, Also Bin Ich: Eine Philosophische Verführung Zum Wein

Ich Trinke, Also Bin Ich: Eine Philosophische Verführung Zum Wein

Autor : Roger Scruton,reinhard Kreissl
Geschlecht : Bücher, Kochen & Genießen, Getränke,
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Format : PDF, ePub

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Ich Trinke, Also Bin Ich: Eine Philosophische Verführung Zum Wein

Über den Autor und weitere Mitwirkende Roger Scruton, Jahrgang 1944, ist Publizist und Philosoph mit Lehraufträgen an der Blackfriars Hall in Oxford, dem American Enterprise Institute in Washington D.C. sowie der Universität St. Andrews. Bei Diederichs erschienen bereits Ich trinke, also bin ich – Eine philosophische Verführung zum Wein sowie Schönheit – Eine Ästhetik. Mit seiner Familie lebt Scruton im ländlichen Wiltshire. Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten. Dieses Buch ist kein Weinführer. Es handelt vom Denken, vom Nachdenken über Wein. Von einem Anhänger des Glücks den sinnlichen Genüssen gewidmet, stellt es eine Verteidigungsschrift dar, gerichtet gegen das Laster und votierend für die Tugend. Es wendet sich an Gläubige wie Atheisten, an Christen gleichermaßen wie an Juden, Hindus und Moslems, an alle denkenden Menschen, die ob der Freuden der Meditation den körperlichen Genüssen nicht abhold sind. Ich werde mit den Gesundheitsfanatikern ins Gericht gehen, mit den verrückten Mullahs und all jenen, deren Horizont ein engstirniger Standpunkt ist. Ich will versuchen, die Plato zugeschriebene Einsicht zu verteidigen, dass »die Götter den Menschen nie etwas Wertvolleres und Besseres zukommen ließen als den Wein«. Und ich bin der festen Überzeugung, dass jeder, der sich diesem unschuldigen Unternehmen entgegenstellt, damit den Beweis seiner eigenen Bedeutungslosigkeit erbringt. Chris Morrissey, Bob Grant, Barry Smith und Fiona Ellis haben frühere Fassungen des Texts gelesen und ihre Kritik hat mir sehr geholfen. Aus einem Fass getrunken habe ich darüber hinaus mit Ewa Atanassow und Thomas Bartscherer, die, soweit ich mich erinnern kann, auch wichtige Anmerkungen gemacht haben. Zu besonderem Dank bin ich meiner Frau Sophie verpflichtet, die zwölf Jahre lang meine Forschungsarbeiten ertragen hat, deren Ergebnisse hier ihren Niederschlag gefunden haben. Einen Teil meiner Recherchen habe ich seinerzeit im Auftrag des New Statesman durchgeführt. Die Geduld der Redaktion war vorbildlich, wenn man bedenkt, dass ich mich in dieser angesehen linksliberalen Londoner Zeitschrift in meiner Kolumne mit Themen wie Tradition, Familie, Hierarchie, Jagd und Gott beschäftigt habe - immer bemüht um Anregungen, wie man sich dieser unerträglichen Themen am besten entledigt. Ich habe viel Spaß mit dieser Kolumne gehabt und darin viel von dem verarbeitet, was mir alltäglich widerfahren ist. Auf den folgenden Seiten habe ich auf andere bereits veröffentlichte Texte zurückgegriffen, insbesondere auf ein Kapitel mit der Überschrift »Die Philosophie des Weins«, das ich für den von Barry Smith herausgegebenen Sammelband mit dem Titel Geschmacksfragen: Die Philosophie des Weins verfasst habe. Dieser Text bildet die Grundlage für das Kapitel »Der Sinn des Weins« des hier vorliegenden Buchs. Ferner habe ich mich zweier Texte aus Festschriften bedient, einen für meinen Lehrer Laurence Picken, verfasst für einen jüngst erschienen Band, der dem Jesus College in Cambridge gewidmet ist, und einen für ein Buch zu Ehren von David Watkin, herausgegeben anlässlich seiner Emeritierung.Teile des Kapitels »Sein und Bewusstsein« verwenden Texte, die ich in Technology Review einer online publizierten Zeitschrift des MIT veröffentlicht habe.Seit den ersten historischen Aufzeichnungen wissen wir, dass sich die Menschheit das Leben durch die Einnahme von Rauschmitteln erträglich gestaltet. Zwar gibt es deutliche Unterschiede zwischen verschiedenen Kulturen hinsichtlich der tolerierten, geförderten und verbotenen Substanzen, aber in einem Punkt scheinen sich alle einig zu sein: egal was man sich zuführt, es sollte die öffentliche Ordnung dadurch nicht gestört werden. Die Friedenspfeife der amerikanischen Ureinwohner steht wie die Wasserpfeife im Mittleren Osten für eine Form sozial akzeptierter Bedröhnung, bei der, unter Einhaltung gepflegter Umgangsformen, harmlose Empfindungen und heitere Gedanken aus den Schwaden des geteilten Tabakgenusses emporsteigen. Manche würden auch Cannabis hierunter einordnen, wiewohl neurologische Befunde hier eine etwas andere Interpretation nahelegen. Der eigentlich problematische Fall ist jedoch nicht Cannabis, sondern Alkohol, der einen unmittelbaren Effekt auf die körperliche Koordinationsfähigkeit, das Verhalten, die Gefühle und die intellektuelle Leistung entwickelt. Ein Besucher von einem anderen Planeten, der vom Wodka berauschte Russen, Tschechen im Würgegriff des Slivowitz oder amerikanische Landeier abgefüllt mit Schwarzgebranntem erblickte, wäre sicherlich sofort ein Anhänger der Prohibition. Aber die funktioniert, wie man weiß, nicht. Es mag sein, dass Rauschmittel eine Gesellschaft gefährden können, aber ebenso gefährlich kann einer Gesellschaft ein Mangel an diesen Substanzen werden. Ohne sie sähen wir uns so wie wir wirklich sind und eine menschliche Gesellschaft auf dieser Grundlage wäre schwer vorstellbar. Die Welt ist voller zerstörerischer Illusionen und die jüngste Geschichte hat uns deren destruktives Potenzial vor Augen geführt. Aber deswegen sollten wir nicht vergessen, dass Illusionen manchmal auch etwas Positives sind. Wo wären wir ohne den Glauben, dass die Menschen alle Katastrophen vom Tisch wischen und sich gegenseitig ewige Liebe schwören können? Und wie sollte das gehen, wenn man sich die harte Realität nicht schön trinken könnte? Der Wunsch nach Rausch sitzt tief und alle Versuche, ihn zu unterbinden, sind zum Scheitern verurteilt. Die eigentlich wichtige Frage lautet daher nicht: Nervengift ja oder nein, sondern: Welches?! Zwar vernebelt jedes Rauschmittel den Blick auf die Dinge, einige aber (und das gilt vor allen Dingen für den Wein) helfen uns, sich ihnen zu stellen. Wir sehen die Welt dann in einer neuen, gleichsam idealisierten Form. Unsere Vorfahren hatten eine einfache Lösung für das Alkoholproblem. Sie banden den Genuss in religiöse Rituale ein, sahen den Rausch als Erscheinung der Gottheit, 12 der man dann auch die Verantwortung für das schlechte Benehmen der berauschten Gläubigen zuschieben konnte. Das war eine kluge Lösung, denn es ist leichter eine Gottheit zu ändern als einen Menschen. Aus orgiastischen Anfängen wurde er zunächst zum festlichen Getränk der Götter des Olymps und übernahm später eine Rolle in der christlichen Eucharistie - wo er für den kurzen Augenblick die Versöhnung mit dem Heiligen symbolisiert. Religion ist nicht die einzige seit alters her praktizierte Lösung des Alkoholproblems. Auch das weltliche Symposium gehört hierher. Statt das Trinken aus dem gesellschaftlichen Verkehr zu verbannen, bauten die Griechen eine neue Gesellschaft um den Genuss von Alkohol herum auf. Dabei handelte es sich nicht um harte Drinks wie Wodka oder Whiskey, sondern um Getränke, die gerade stark genug waren, um sich zu entspannen und Hemmungen abzubauen - man konnte der Welt entgegenlächeln und sie lächelte zurück. Die Griechen waren menschlich und nachsichtig, wie man an Odysseus' Mannschaft im Palast der Circe sehen kann. Auch sie hatten eine Zeit der Prohibition, nachzulesen in den Bacchen des Euripides, wo sich die grässliche Geschichte von der Bestrafung des Pentheus findet, der gevierteilt wurde, weil er den Gott des Weines ausgetrieben hatte. Aber in der Praxis des Symposiums entdeckten die Griechen das Geheimnis, wie man das Beste im Wein und in jenen, die ihn trinken, zum Vorschein bringt und so gelang es ihnen selbst noch in den ängstlichsten Menschen ein Gefühl der Selbstgewissheit hervorzurufen. Um diesen inneren Zustand der Selbstbestimmung [im Original deutsch, Anm. d. Ü.], wie es die deutsche Philosophie der Romantik nannte, geht es in diesem Buch. Beim Symposium lud man Dionysos, den Gott des Weines in einen zeremoniell abgegrenzten Bezirk ein. Dort saßen die blumengeschmückten Gäste zu zweit auf 13 couchähnlichen Sitzgelegenheiten, stützten sich mit dem linken Arm auf. Auf niedrigen Tischen vor ihnen stand Essen für sie bereit. Wohlgeformte Sklaven füllten die Trinkbecher aus einem großen Gefäß, in dem der Wein mit Wasser verdünnt war, um den Moment der Trunkenheit möglichst lange hinauszuzögern. Umgangsformen, Redeweisen und Sprache bei diesen Anlässen unterlagen derstrengsten Kontrolle, ähnlich wie bei einer japanischen Teezeremonie. Man hörte einander zu, sang oder rezitierte Texte, sodass die Gespräche immer um unverfängliche Themen kreisten. Plato berichtet in epischer Breite...

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